Grüsse, kleine Herrin
Das letzte Mal habe ich dir erzählt, dass ich jetzt als Pagamädchen in der Taverne von Anango arbeiten muss, weil sie dort zuwenig Mädchen haben und weil es die Tatrix so befohlen hat. Also eigentlich hats in der Taverne schon genug Mädchen, aber die sind weniger wegen dem servieren dort als mehr zum bedienen im oberen Stock und wenn du jetzt meinst, kleine Herrin, dass ist dasselbe, dann bist du aber ziemlich völlig auf dem falschen Weg! Bedienen ist viel einfacher als servieren, das kann ich dir sagen, weil beim bedienen musst du nur dich selber servieren und das kann ich gut, aber beim servieren musst du Getränke und Essen und so servieren und da musst du einen Haufen von Regeln beachten, sonst schütten sie dir das Zeugs über den Kopf und du kannst wieder von vorne anfangen.
Sie hatten ziemlich spät bemerkt, dass ihnen noch Mädchen zum servieren fehlt und am Abend sollte ja das Haus der Lust eröffnet werden, weil so heisst die Taverne jetzt, kleine Herrin und darum hatten sie mir befohlen, dort als Pagamädchen zu arbeiten und ein paar anderen Sklavinnen auch, die sonst auf den Feldern arbeiten mussten. Wir waren jetzt alle dort, am Vormittag vor der Eröffnung und die Maid sollte uns alles zeigen, was wir wissen mussten. Die Maid war auch nur eine Sklavin, aber sie trug ihre Nase sehr hoch und spielte sich auf wie eine Freie, nur schlimmer und sie hielt sich für was Besseres als wir anderen und sie kniete nicht mal vor den Herren nieder und die meisten Herren liessen sich das sogar gefallen, wahrscheinlich weil sie vor lauter nackten Sklavinnen alles vergessen hatten, aber das erzähl ich dir später, kleine Herrin.
Die Maid rief uns also alle zusammen und schaute uns an und schüttelte entsetzt ihren Kopf und verdrehte die Augen zum Himmel und sagte, aus uns wird nie was werden und mehr als im Dreck wühlen würden wir sowieso nicht können, aber der Herr hats ihr befohlen, also muss sie es versuchen. Ich sagte, so ein bisschen Paga in einen Becher schütten und zu den Gästen bringen und so, das könne sicher nicht so schwierig sein und da schaute sie mich noch entsetzter an und dann hielt sie eine kleine Rede vom richtigen Serve, der eine Kunst ist und von den Kajiras, die sich selber sozusagen dem Herrn anbieten mit einem feurigen Serve und solches Zeugs und ich dachte bei mir, wenn ich mich einem Herrn anbieten will, dann brauch ich dazu nicht einen Serve, das mach ich anders und wenn der Herr nicht gerade stocktaub und blind ist, dann merkt er das schon. Aber das dachte ich mir nur, denn ich hatte schon gemerkt, dass sie mich ständig scharf ansah und ich wollte nicht schon wieder ein paar Tage lang nur auf dem Bauch schlafen können.
Nach der Ansprache zeigte uns die Maid dann, was wir alles machen müssen, wenn ein Herr bei uns einen Paga bestellt, weil Frauen dürfen ja nicht in die Taverne und ich will jetzt versuchen, dir das alles aufzuzählen, aber nur ganz kurz, richtig dauert das nämlich eine Ewigkeit. Also, so geht ein richtiger Serve wie es die Maid sagte: Warten, bis der Herr einen Paga bestellt, lächeln und ja gerne Herr sagen, langsam zur Theke gehen und mit den Hüften schwingen, an der Theke über die Schulter zurückblicken und dem Herrn verheissungsvoll zulächeln (weil aber da so ein blöder Putzeimer stand und wir immer drüberstolperten beim Ueben, haben wir den verheissungsvollen Blick nicht machen müssen), dann hinter die Theke gehen und den Pagabecher suchen und dann den Becher nehmen und prüfen, ob er kaputt ist, am besten über die weiche Haut der Brüste fahren oder über die weichen Lippen (die im Gesicht meine ich, kleine Herrin) und dann den Becher gut ausreiben mit einem Reptuch (ich dachte bei mir, die Maid hat wahrscheinlich vorher in so einer dreckigen Hafenspelunke gearbeitet, wo sie das Geschirr ohne abzuwaschen in die Gestelle versorgt haben und wo sie kaputte Becher genommen haben und als Gast möchte ich also nicht aus einem Becher trinken, den vorher jemand angesabbert hat) und dann endlich Paga in den Becher einfüllen bis zwei Finger vom oberen Rand weg und dann wieder hüftschwingend und verheissungsvoll blickend zum Gast zurückgehen (wenn der immer noch da ist, dachte ich mir) und dann vor ihm niederknien und ihn anlächeln und ihn fragen, ob man servieren darf (ist ja klar, dass man fragen muss, vielleicht hat er ja unterdessen vergessen, was er wollte oder vielleicht ist er eingeschlafen unterdessen, da muss man halt ein bisschen lauter brüllen beim fragen) und dann wenn er ja sagt den Becher in beide Hände nehmen und zwischen die Schenkel halten vor die Hitze und dann langsam am Körper entlang mit dem Becher hochfahren bis zwischen die Brüste und dort verharren und ein kurzes Gebet an die Priesterkönige sprechen und dann den Becher dem Herrn mit den Händen über dem Kopf entgegenhalten und nochmals so ein Sprüchlein aufsagen mit das es ihm munden soll und so weiter und dann darf der Herr den Becher entgegennehmen und trinken.
Wir schauten uns erschrocken an und ich sagte, obs nicht vielleicht eine kürzere Variante geben würde, wenn mal ein Herr kommt, der wirklich Durst hat und die Maid schaute uns strafend an und sagte, das ist die kurze Variante und das genügt für so eine rückständige Gegend hier mit lauter Bauerntölpeln und so, aber in den grossen Städten wie Ar und Kasra und Lydius, dort werden richtige Serves gemacht, mit allem Drum und Dran und ich dachte, kein Wunder laufen dort die Herren mit so verkniffenen Gesichtern rum, wenn sie immer so lange auf ihren Paga warten müssen. Dann mussten wir den Serve üben und üben und üben und die Maid sah immer unglücklicher aus und schliesslich sagte sie, sie hält das nicht mehr aus und sie müsse sich ausruhen gehen, dabei tat sie ja überhaupt nichts als zusehen und uns ständig kritisieren. Sie befahl uns, selber weiter zu üben, aber richtig und wehe, es klappt am Abend nicht, dann würde es morgen ein paar ziemlich brennende Hinterteile mehr geben in Anango.
Also übten wir alleine weiter und irgendeine kam auf die Idee, dass immer jemand von uns den Herrn spielen soll und eine andere ihn bedienen muss, also ich meine servieren, kleine Herrin, nicht bedienen und das taten wir auch und dann kam irgendwer auf die Idee, dass die Maid ja gesagt hatte, wir sollen es richtig machen und darum füllten wir auch richtig immer Paga in die Becher und das Ueben wurde ziemlich schnell sehr lustig und bald tanzte ein Mädchen des Admirals auf dem Tisch rum und sie konnte wirklich gut tanzen und sich dabei ausziehen und wir anderen standen drumherum und kreischten und lachten und dann wurde es sehr schnell überhaupt nicht mehr lustig, weil nämlich der Herr Admiral in der Türe stand und uns fürchterlich anbrüllte. Der fand das absolut überhaupt nicht lustig und eine Schande für ihn und sein Haus und sein Schiff, weil seine Sklavin auf dem Tisch tanzte und dann kam die Maid runter von ihrem Schläfchen und fing auch an, uns anzukreischen und wir knieten zitternd auf dem Boden und hatten unsere Köpfe gesenkt und erwarteten eine fürchterliche Strafe. Dann kam auch noch der Bewacher der Taverne dazu und sie sprachen eine Weile über die Strafen für uns und die erzähle ich dir jetzt nicht, kleine Herrin, weil sonst kannst du vielleicht eine Zeitlang nicht gut schlafen, aber dann überlegten sie, dass ausgepeitschte Sklavinnen nicht so schön aussehen bei einer Eröffnung und sie verschoben das Auspeitschen und die anderen Sachen auf später und sagten, wenn wir unsere Sache gut machen am Abend, dann wirds vielleicht ein paar Hiebe weniger geben.
Der Wächter befahl mir, in das Teezelt zu gehen, weil da die Tatrix war mit so ein paar anderen hohen Damen und sie brauchen dort noch eine zum Servieren und ich wollte ihn fragen, ob ich die Pagamädchenkleidung ausziehen sollte und einen Camisk an, weils doch die Tatrix war und das Teezelt und die Pagamädchenkleidung ist ja nur ein Seil um die Hüften und ein Seil hinten runter zwischen den Pobacken und vorne wieder hoch und das rubbelt ständig vorne und macht einen ganz kribbelig und ein kleines Stück Tuch vorne und oben rum ein paar Seile um die Brüste rum, damit die frei sind für brustwarmen Paga und solche Sachen, aber er hörte gar nicht zu und schnauzte mich an, ich soll endlich die Beine in die Hand nehmen und verschwinden und ich dachte, na gut, gehe ich halt so, er hats schliesslich befohlen.
Im Teezelt war wirklich die Tatrix und drei andere freie Frauen, alle in schönen Kleidern und keine Mädchen zum Servieren und alle hatten nichts zu Trinken und drehten ihre Köpfe zu mir und zogen ihre Augenbrauen hoch, als sie mich sahen und die Tatrix zog scharf die Luft ein und befahl mir, ihnen ein Wasser zu servieren. Ich war froh, dass ich den Priesterkönigen sei Dank vorher in der Taverne gelernt hatte, wie man richtig serviert und ich gab mir grosse Mühe, alles richtig zu machen und nichts zu vergessen und stellte mich so, dass sie ja auch alles sehen konnten, die Brüste und den Kuss auf den Becher und die Hüften und den wiegenden Gang und die Hitze und den Becher am Körper und an den Brüsten und alles und schliesslich kniete ich vor der Tatrix und hielt ihr den Becher mit beiden Händen hin und war ganz stolz auf mich, dass ich alles behalten hatte und wartete darauf, dass sie mir den Becher aus den Händen nahm. Es war ganz still geworden im Teezelt und ich wartete und wartete und nichts geschah und dann schaute ich vorsichtig nach oben und sah die Tatrix mit hochrotem Gesicht sprachlos auf mich herunterstarren und die drei anderen freien Frauen starrten auch mit hochrotem Gesicht vielsagend auf mich und auf die Tatrix, aber dann war die Sprachlosigkeit vorbei, kleine Herrin und es wurde wieder so furchtbar laut wie vorher in der Taverne und ich fürchte, ich werde eine lange Zeit wieder auf dem Bauch schlafen müssen.
Du siehst, kleine Herrin, die Leute hier in Anango sind ziemlich komisch. Erst geben sie sich furchtbar Mühe, einem das Servieren beizubringen und wenn mans dann kann, dann ist es auch wieder nicht gut. Naja, das sind halt alles Ausländer hier, kleine Herrin, die meinens ja eigentlich nicht böse, sie wissen es einfach nicht besser, denke ich.
Sichere Wege, wünsche ich dir, kleine Herrin!